Geschichte


Dies ist eine vorläufige Chronik der Bahá'í-Religion in Berlin, die dankenswerter Weise von Dr. Peter Langer zur Verfügung gestellt wurde. Neuere Angaben wurden durch Peter Amsler ergänzt. Da viele Akten, Archivunterlagen usw. zwischen 1937 und 1945 konfisziert oder durch Kriegsereignisse zerstört wurden, stehen derzeit nur wenige relevante Geschichtsquellen zur Verfügung. Daher könnten die dargestellten Ereignisse durch neuere historische Forschungen korrigiert und ergänzt werden.

1852

Berichte in den Berliner Zeitungen1 über den von einigen Bábís verübten Attentatsversuch auf den persischen Schah.

1873

Bahá’u’lláh offenbart in ‘Akká das Kitáb-i-Aqdas.2 Hierin erwähnt Er Berlin: "O Ufer des Rheins! Wir sehen euch mit Blut bedeckt, da die Schwerter der Vergeltung gegen euch gezückt werden; und noch einmal wird es euch so ergehen. Und Wir hören das Wehklagen Berlins, obwohl es heute in sichtbarem Ruhme strahlt."

1896

Am 1. Mai 1896 wird der persische Schah ermordet. In Berliner Zeitungsartikeln3 werden die Bábís als Mörder verdächtigt. Die Bezeichnung Bahá’í wird noch nicht benutzt.

1907

Zwischen August 1907 und

1910

April 1910 erhält der amerikanische Tempelfond (eine) Spende(n) aus Berlin. Mit dem in diesem Fond gesammelten Geld wird das Bahá’í-Haus der Andacht in Wilmette bei Chicago erbaut. Da nur Bahá’í spenden dürfen, bedeutet dies, dass damals schon zumindest ein Bahá’í in Berlin wohnte.4

1911

Herr Otto Stäbler und Frau Wanke ziehen aus dem Stuttgarter Raum nach Berlin.5 Dies sind also die derzeit beiden ersten namentlich bekannten Bahá’í Berlins.

1920

Der Berliner Arzt und spätere Gründer des Buddhistischen Hauses in Berlin-Frohnau, Dr. Paul Dahlke, veröffentlicht in Zehlendorf bei Berlin die Broschüre „Wie muß die neue Religion aussehen?“ in der die „Baháí-Weltreligion“ und Abbas Effendi (‘Abdul-Bahá)6 erwähnt werden. Zehlendorf gehört erst seit Oktober 1920 zu Berlin. Max Hayek aus Wien veröffentlicht in der Vossischen Zeitung vom Sonntag, den 13. Juni, den Artikel „Der Bahaismus“7. Dies dürfte der erste Berliner Zeitungsartikel sein, in dem Bahá’u’lláh namentlich erwähnt wird. Außerdem wird darin von ‘Abdul-Bahá berichtet.

1922

Herr Wilhelm Herrigel aus Stuttgart hält im April die ersten öffentlichen Vorträge.8,9 Anwesend sind dabei auch Herr John David Bosch und seine Ehefrau Louise Stapfer Bosch aus Kalifornien10. Im November hält Herr Herrigel noch einmal Vorträge.11

1923

Der erste Geistige Rat Berlin wird gebildet.12


Im Juli besucht Stanwood Cobb die Berliner Bahá’í. Fünfzehn oder sechszehn Bahá'í sind anwesend. Prof. Cobb13 (1881-1982) ist u.a Herausgeber des amerikanischen Bahá’í-Journals „Star of the West“.

1924

Herr Herrigel hält im Januar und im Februar Vorträge.14

1925

Herr Herrigel und Frau Alice Schwarz aus Stuttgart halten Vorträge.15 Frau Schwarz16 (1875-1931) geb. Solivo, ist die Tochter eines bayrischen Industriellen und wird im Jahre 1911 Bahá’í, d.h. noch vor ihrem Ehemann dem Kommerzienrat und königlichen norwegischen Konsul Albert Schwarz. Beide dienten lange Zeit im Nationalen Geistigen Rat.

1926

Zweiundvierzig Wahlberechtigte wählen den "Neunerrat"17 von Berlin. Es werden gewählt: Aminullah Ahmedoff, Herr Berthe, Frau Betsak, Frl. Lodemann, Abbas Namatollah, Jetty Plessner, Franz Simon, Herr Wustrow und Frau Asper.


Vor etwa 250 Personen hält Herr Herrigel einen Vortrag.18

1927

Im Januar halten die Hand der Sache Martha Root und Herr Herrigel mehrere Vorträge.19 Martha Root20 reiste viermal um die Erde und wurde von Shoghi Effendi als das Urbild des reisenden Bahá'í-Lehrers bezeichnet.

1928

Gerhart Hauptmann, der Nobelpreisträger für Literatur des Jahres 1912, veröffentlicht in Berlin sein Epos "Des großen Kampffliegers, Landfahrers, Gauklers und Magiers Till Eulenspiegel Abenteuer, Streiche, Gaukeleien, Gesichte und Träume", in dem u.a. ein fiktiver Dialog zwischen Bahá'u'lláh und Till sowie die Entgegnung eines Mönches beschrieben wird.

1930



Foto oben: Geistiger Rat Berlin um 1930; Quelle: The Bahá'í World, Vol III, S. 290

Foto unten: Bahá'í von Berlin; Quelle: The Bahá'í World, Vol. IV,S. 293

1931


1934

Die Mitgliederzahl der Bahá'í-Gemeinde hat sich im Laufe des Jahres verdoppelt.21

1935

Zahlreiche ausländische vor allem amerikanische Freunde besuchen meistens auf Empfehlung von Shoghi Effendi die deutschen Bahá'í-Gemeinden. So wird die Berliner Gemeinde von Herrn und Frau Charles Bishop vom Internationalen Bahá'í Büro in Genf, von Frau Sylvia Matteson aus Chicago, Frl. Julia Goldman aus Boston, Frau Ruhangiz Bolles und ihrer Tochter aus Connecticut sowie von Herrn Dr. Fozdar und seiner Ehefrau aus Bombay besucht.22

1936

Miss Mary Maxwell, die heute als Hand der Sache Amatul-Bahá Rúhíyyih Khánum bekannt ist, besucht am 9. März Berlin. Außerdem ist sie im Juni und Juli des gleichen Jahres in Berlin. Sie bemerkt die prekäre Lage, dass ein großer Prozentsatz der Berliner Bahá'í-Gemeinde von ihrer Herkunft Juden sind.

1937

Am 21. Mai wird die Gemeinde und seine administrativen Einrichtungen durch einen Sonderbefehl des Reichsführers der SS und Chefs der GESTAPO (Geheime Staatspolizei), Heinrich Himmler, verboten.

1947

Zum ersten Mal nach dem Weltkrieg wird in den Bahá'í-Nachrichten etwas über Berlin erwähnt.23

1950

Am 25.11. wird über RIAS Berlin in einem viertelstündigen Gespräch die Lehre und die Geschichte der Bahá'í-Religion dargelegt.



Foto unten: Erster wieder gebildeter Geistiger Rat in Berlin nach dem 2. Weltkrieg. Foto Stehend: Herr Sommer?, Ellen Gross, Herr Lehne, Frau Lehne, Claus-Jürgen Mentzel, Sitzend: Sophie Kreutzfeld (*24.6.1896, † 24.3.1976), ?,?, Frl. Elsbeth Lodemann; Quelle; The Bahá'í-World, Vol. XII, S.587


1951

In Berlin leben einundzwanzig Bahá'í; Berlin ist damit die sechstgrößte Gemeinde in Deutschland und teilt sich diesen Platz mit Karlsruhe.24


Eine Wochenendsommerschule findet im Juli in Berlin statt. Dr. Hermann Großmann hält dort einen Vortrag.25 Er wird im Dezember von Shoghi Effendi zur Hand der Sache Gottes ernannt, eine außerordentliche Auszeichnung.

1953

Für das Jahr 109 (laut Bahá'í-Kalender) werden fünfzehn Gläubige angegeben.26

1954

Berlin ist eine von achtzehn Gemeinden im deutsch-österreichischen Raum.

1955

Der Geistige Rat Berlin ist einer von zweiundzwanzig Geistigen Räten.

1957

In Berlin leben neunzehn Gläubige.

1960

Der Geistige Rat Berlin läßt sich am Berliner Amtsgericht eintragen.

1961

Sommerschule in Berlin-Gatow

1965

Europäische Sommerschule vom 31. Juli bis 10. August

1967

Neues Bahá'í-Zentrum in der Steifensandstraße 9.


Drei Abgeordnete werden für die Nationaltagung gewählt.

1971

Am 21. April wird die Muttergemeinde Berlin in zwölf Gemeinden und Gruppen aufgegliedert.27


In den folgenden Jahren verzeichnen die nun selbständigen Gemeinden Wachstum und vermehrte Aktivitäten.

1989

Erstmals dürfen Bahá'í, die in Berlin-Ost als Mitglieder einer verbotenen Gruppierung lebten, ihre West-Berliner Glaubensbrüder- und schwestern besuchen. Umgekehrt waren Besuche seit längerem möglich. Im folgenden Einigungsprozess entstehen drei Berliner Bahá'í-Gemeinden, die aus ehemals west- und ostdeutschen Bezirken bestehen.

1995


1996

Die Berliner Bahá'í-Gemeinden eröffnen im Juni eine Gemeinschaftseinrichtung, das Bahá'í Büro Berlin, im Haus der Demokratie und Menschenrechte, im ehemaligen Berlin-Ost. Es dient als Anlauf- und Kontaktstelle sowie als Versammlungsort für unterschiedliche Veranstaltungen. Alle zwei Monate kommen Vertreter und Vetreterinnen aus den Gemeinden zu einer so genannten Berlin Runde zusammen.

Bahá'í TV startet im Offenen Kanal Berlin (OKB).

1997

Wegen gesteigerter Anforderungen der Zusammenarbeit ernennt im August der Nationale Geistige Rat für Berlin einen Koordinationsausschuss. Im ersten Jahr seines Bestehens werden folgende Mitglieder ernannt: Karl-Heinz Drescher (Schatzmeister), Beatrix Fries (stellv. Vorsitzende), Christian Hammerstein, Brigitte Jablonka (bis 1.2.1999), Ingrid Ochse (bis 16.07.1998), Peter Scheffel (Sekretär), Dr. Michael Sturm-Berger (ab 7.7.1998, Vorsitzender), Daryoush Talebi, Brigitte Zeitlmann-Krüger (ab 2.2.1999)

1998

Das Bahá'í Büro Berlin zieht zusammen mit anderen Nicht-Regierungsorganisationen aus dem Haus der Demokratie und Menscherechte von der Friedrichsstraße in die Greifswalderstr. 4 um.


Es erscheint zum ersten Mal das Berliner Bahá'í Blatt in einem zweimonatigen Rhythmus.


Es wird ein berlinweiter Jugendausschuss ernannt.

2000

Die Bahá'í-Schule Berlin, eine berlinweite Einrichtung für Kinderklassen, trifft sich mit über 20 Kindern regelmäßig im Nachbarschaftshaus Schöneberg, Fregestraße. Die Schule beginnt mit  drei Gruppen. Später zieht diese Elterniniativein die Elternschule des DRK-Krankenhauses Westend um.


Der Nationale Geistige Rat eröffnet Am Köllnischen Park 1, Berlin-Mitte, seine Berliner Vertretung. Sie dient als Verbindungsbüro der Bahá'í-Gemeinde Deutschland zur Bundesregierung, dem Deutschen Bundestag und Nicht-Regierungsorganisationen.

2003

Es bestehen acht lokale Geistige Räte.


Der berlinweite Koordinierungsausschuss wird nicht mehr durch den Nationalen Geistigen Rat ernannt. Die Gemeinde dezentralisiert sich, was vermehrte Aktivitäten wie Kinderklassen, Junior- und Jugendgruppen, Studienkreise und Andachtsversammlungen und damit eine verstärkte Öffnung der Gemeinde in den einzelnen Bezirken zur Folge hat. Regelmäßige berlinweite Versammlungen bleiben bestehen oder etablieren sich neu, so die Reflexionstreffen, freie Studienkreise und offene Andachten und auch das gemeinsame Begehen größerer Feier- und Festtage.

2005

Die Berliner Bahá'í nehmen zum ersten Mal an den Tagen des Interkulturellen Dialoges in Berlin teil. In den folgenden Jahren wird dies zu einer ständigen Aktivität.


Zum 100jährigen Jubiläum der Bahá'í-Gemeinde Deutschland veranstaltet der Nationale Geistige Rat im Mai einen Festempfang in der Hessischen Landesvertretung. Es wird ein Grußwort von Bundesinnenminister Otto Schily verlesen sowie über die Frage diskutiert, "was die Gesellschaft zusammenhält".

2006

Da sich das Gemeindeleben vermehrt in den Bezirken und Nachbarschaften konzentriert, wird das zentrale Berliner Bahá'í-Büro im Haus der Demokratie und Menschenrechte geschlossen.


Der Nationale Geistige Rat beginnt seine jährlichen Neujahrsempfänge, jeweils zum Naw-Ruz-Fest, das die Bahá'í am 21. März begehen. 2006 findet der Neujahrsempfang in der Thüringischen Landesvertretung statt.

2007

Die Berliner Vertretung des Nationalen Geistigen Rates zieht in die Jägerstr. 67-69 in Berlin-Mitte um.


Neujahrsempfang in der Vertretung Saarlands.

2008

Neujahrsempfang in der Vertretung Hamburgs.

2009

Die Berliner Vertretung des Nationalen Geistigen Rates zieht in die Chaussseestr. 103 in Berlin-Mitte um.

In Berlin leben über 220 Bahá'í in neun Gemeinden.

   



Anmerkungen

1       Langer, Peter, "Berliner Bahá'í Blatt", März, Mai und Juli 2000.
2       Shoghi Effendi, "Gott geht vorüber", Abschnitt 12:41-47.
3       Bahá'í News, 17. Mai 1910, Reprint in "Star of the West", Vol. 1, No. 4, p. 15.
4       Langer, Peter, "Berliner Bahai Blatt", September und November 2000.
5       Knobloch, Alma S., "The Bahá'i World", Bd. VII, 1936-1938, S. 739.
6       Langer, Peter, "Berliner Bahá'í Blatt", Juli 2004.
7       "The Bahá'í World", Bd. VI, 1934-1936, S. 556.
8       Plessner, Jetty, "Sonne der Wahrheit", Juni 1922, Heft 4, S. 62.
9       Bosch, Louise, "Star of the West", Vol. 17, No. 11 (February 1927), S. 358-360.
10     Langer, Peter, "Berliner Bahá'í Blatt", Mai 2004.
11     "Sonne der Wahrheit" zitiert in "Berliner Bahá'í Blatt", November 1998.
12     Stanwood Cobb, "Star of the West" Nov. 1923, Bd. 14, No. 8, S. 243. S. Cobb berichtete dort: "The Berlin assembly having been established only a short time ago…"
13     "The Bahá'í World", Vol. XVIII 1979-1983, S. 814-816
14     "Sonne der Wahrheit", 4. Jg., H. 1, S. 14-16, zitiert im "Berliner Bahá'í Blatt" v. November 1998.
15     "Sonne der Wahrheit", 5 Jg., h.2, April 1925, S. 21 zitiert im "Berliner Bahá'í Blatt", Januar 1999.
16     Golmer, Ulrich, Das Testament 'Abdu'l-Bahás in: "Desinformation als Methode", S. 584.
17     Bahá'í-Nachrichten, No. 10, Dezember 1926.
18     "Bahá'í-Nachrichten", März 1926, S. 2.
19     "Bahá'í-Nachrichten", März 1927, S. 3.
20     Momen, Wendi, "A Basic Bahá'í Dictionary", Oxford 1989, S. 198.
21     Holley, Horrace, "The Bahá'í World", Bd. VI, 1934-1936, S. 34-42.
22     Holley, Horrace, "The Baha'i World", Bd. VII, 1936-1938, S. 22f.
23     "Bahá'í-Nachrichten" vom 2.3.1947 zitiert im Berliner Baha'i Blatt v. November 1999.
24     "Bahá'í-Nachrichten" 108/1 v. Juni 1951 zitiert im Berliner Bahá'í Blatt v. Januar 2000.
25     "Bahá'í-Nachrichten" 108/3 v. September 1951 zitiert im Berliner Bahá'í Blatt v. Januar 2000.
26     "Bahá'í Nachrichten" vom April zitiert im Berliner Bahá'í Blatt vom März 2001.
27     Brief des Nationalen Geistigen Rates an alle Bahá'í in Berlin vom 19.02.1976.